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Traditionsschützen ABC

Immer wieder tauchen bei den Traditionsschützen unbekannte Begriffe auf, die in kaum einem Lexikon nachzuschlagen sind. Deswegen wollen wir hier sukzessive Fachbegriffe kurz erläutern, damit das Verstehen eines Ladschreibens verbessert wird und auch die Fachsimpeleien zwischen Traditions- und Waffenexperten für den Laien verständlicher werden.
Alle Informationen ohne Gewähr!

Für Anregungen und Fragen zu erklärungsbedürftigen Begriffen kann gerne ein Mail an 
lexikon(a)feuerbixler.de gesendet werden. Wir versuchen dann so rasch wie möglich, den gewünschten Begriff zu erläutern.


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A Aydt / Aydt-Verschluss
Drehblock-Veschluss bei Scheibenbüchsen und Scheibenpistolen mit vorne unter dem Lauf angeordnetem Achsendrehpunkt. Der "Original-Aydt- Verschluss" wurde von C. G. Haenel/Suhl  vertrieben. Carl Wilhelm Aydt hat das erste Patent dazu 1884 angemeldet und sukzessive technische Verbesserungen einfließen lassen. Deswegen wurden die etwas unterschiedlichen Verschlüsse dann als Aydt I, Aydt II und Aydt III bezeichnet.

Siehe hierzu auch Artikel Systeme & Verschlüsse 

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Haenel Original Aydt I Verschluss

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B Blattl / Plattl / Tiefschuss
Der Zentrumstreffer auf der Scheibe. Je weiter der Schuss in der Mitte der „Zehn“ eingeschlagen hat, desto besser ist der Tiefschuss

Die beliebte Blattlwertung wird hauptsächlich in Süddeutschland und Österreich geschossen. In anderen Gegenden Deutschlands wird größtenteils nur die Ringwertung ausgeschossen.

Ein besonders gutes Blattl steckt sich ein erfolgreicher Stutzenschütze gerne mit Stolz zu den errungenen Hutnadeln an seinen Schützenhut.

Siehe hierzu auch Artikel Ringe – Blattl – Teiler 
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Ein wirklich hervorragendes Blattl...!

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K Kranzl-Schießen / Kränzchen
Noch heute nennt man turnusmäßige Schießabende in einem Schützenverein „Kranzl-Schießen“. Hierbei handelt es sich heute meist um eine interne Vereinsveranstaltung, wobei die Ergebnisse zur Wertung der Jahresmeisterschaft zählt. 

Doch eigentlich hatte das Kranzl-Schießen bei den früheren Zimmer- und Feuerstutzenvereinen eine andere Bedeutung, man sprach auch von „ein Kränzchen geben“. Schon in der „Allgemeinen Schützenordnung für das Königreich Bayern“ für Feuerschützengesellschaften aus dem Jahre 1868 steht unter § 51 folgendes: 

Kränzchenschießen (Kränzelschießen) sind Schießen, bei welchem sämmtliche theilnehmende Schützen nach vorherigem Uebereinkommen abwechselnd (in einer bestimmten Reihenfolge) die Besten geben.

Auch bei bayerischen Zimmerschützen-Gesellschaften war das Kranzl-Schießen damals ein beliebter Brauch. Nachdem man sich um 1893 herum auch im hohen Norden für das Zimmerstutzenschießen interessierte, fragte ein Verein aus Kiel bei der Bayerischen Schützenzeitung um die Modalitäten von Schießabenden nach. Hier wurde u.a. folgendes erläutert:

In den Wintermonaten werden in den verschiedenen, weit über Hundert zählenden Schützenvereinen sogenannte „Kränzlschießen“ abgehalten, welche derart arrangiert sind, daß alle Wochen an den Schießabenden ein Vereinsmitglied der Reihenfolge nach die Preise – gewöhnlich 5-6 – zum Ausschießen zu geben hat, wodurch jedes Mitglied nach dem Bestschuß dieselben gewinnen kann, und zwar derart, daß auch ungeübtere Schützen berücksichtigt werden, indem jedes Mitglied einmal den ersten Preis gewinnen muß, ebenso – mit beschränkter Bestimmung – den zweiten. Ferner sind alle übrigen Preise jedesmal von einem Schützen zu gewinnen.

So war dies eine schöne Einrichtung, mit der sicherlich bei jedem Schießabend eine große Zahl an Schützen angelockt werden konnte und der Verein selbst nicht für die Auspreisung zu sorgen hatte.

Informationspostkarte über das Ausrichten eines Kränzchens (ca. 1905) der Feuerschützen-Gesellschaft Au/Hallertau

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S Schleckerscheibe
Die Schleckerscheibe ist eine Scheibengattung bei Preisschießen, bei welcher ausschließlich das Blattl zählt.

Der Begriff ist in Tirol seit dem 15. Jahrhundert gebräuchlich und wird auch im Süddeutschen Raum verwendet. Vermutlich kommt der Begriff daher, dass früher auch kostbare Salzlecksteine für das Vieh als Preise auf der Schleckerscheibe ausgesetzt waren. Später wurden meist nur Geldpreise auf die Schleckerscheibe ausgelobt. 
Früher wurden die Schleckerscheiben nur auf gesondert festgelegten Schießbahnen des Schießstandes ausgeschossen. 

Aus einem Tiroler Ladschreiben
 aus dem Jahre 1846

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S Schussmarke
Vielen Sammlern und Schützenhistorikern sind sogenannte Schussmarken bekannt, die beispielsweise von den Deutschen Bundesschießen Frankfurt (1862) und Bremen (1865) existieren sowie auch von verschiedenen Schützengesellschaften.

Auf größeren Schießveranstaltungen konnte sich der Schütze an der Kassa – neben den Schießkarten (Boletten) für die Ring-Wertung – auch die Schussmarken für die Blattl-Wertung kaufen. Mit diesen Schussmarken wurde auf den damaligen Zieler-Schreiber-Ständen direkt beim Schreiber (auch „Warner“ genannt) für jeden einzelnen Schuss der Blattl-Wertung separat bezahlt. 

Es durfte ja nicht mit Bargeld am Schießstand bezahlt werden, um nicht in den Verdacht der Bestechlichkeit gegenüber dem Schreiber zu geraten. 

Der Schreiber warf diese Schussmarke nach der erfolgten Schussabgabe in eine verschlossene Box. Diese wanderten dann somit an die Kassa zurück, um dort erneut ausgegeben zu werden. Dies erklärt auch, warum heute nur wenige Schussmarken existieren, denn diese wurden nach der Schießveranstaltung seitens des Veranstalters vermutlich auch wieder eingeschmolzen oder einer anderen Verwendung zugeführt.

So war es dem Schützen freigestellt, wie viel Schuss er auf die Blattl-Scheibe macht. Denn wenn er schon „gut getroffen“ hatte und keinen weiteren Bedarf an Blattl-Schüssen hatte, konnte er seine überzähligen Schussmarken beispielsweise einem Kameraden überlassen – oder auch als Andenken mit nach Hause nehmen.

Eine Auswahl an Schussmarken
von Mitte des 19. Jahrhunderts

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T Teilermessmaschine / Punktmessmaschine
Die Teilermessmaschine ist eine feinmechanische Vorrichtung, um die Entfernung des Schussloches zum absoluten Mittelpunkt der Scheibe zu bestimmen. 

Mangels Nachfrage werden seit den 1950er Jahren keine Teilermessmaschinen mehr hergestellt, denn die alten Vorrichtungen sind meist unverwüstlich. Seit den 1990er Jahren haben elektronische Auswertemaschinen die „Klassiker“ verdrängt. 

Siehe hierzu auch Artikel Ringe – Blattl – Teiler 
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Feichtmaier-Punktmessmaschine aus den 1920er Jahren

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V Vererbte Wertung / Adlerwertung / Alternierende Wertung 
Bei der Vererbten Wertung werden entweder aus ein und der selben Scheibengattung die Blattl-Treffer und Serienergebnisse separat ausgewertet und gemeinsam in eine Wertung eingeordnet oder die Serienergebnisse werden mit einer Punktscheibe (bei der nur die Blattl-Treffer zählen, z.B. Hauptscheibe) zusammen geführt. Hier hat dann der Schütze die Möglichkeit, sich entweder mit einem guten Blattl oder einer hohen Ringzahl auf die vorderen Ränge zu schießen. 
Je nach dem, mit welcher Wertung (Blattl oder Ring) der Schütze eine bessere Platzierung erreicht, wird diese herangezogen. Das Ergebnis ist alternierend, abwechselnd wird das beste Blattl-Ergebnis und das beste Ring-Ergebnis notiert. Anschließend das zweitbeste Blattl-Ergebnis und das zweitbeste Ring-Ergebnis, usw. 

Siehe hierzu auch Artikel Ringe – Blattl – Teiler 
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W Wachler
Wenn in einem Ladschreiben zu Traditionsschießen der Hinweis erscheint „1. Platz mit Wachler“, so ist darunter heute zu verstehen, dass der Erstplazierte dieser Wertung ein Seidentuch an einer Art Fahnenstange erhält.

Dieser Brauch stammt bereits aus dem frühen 19. Jahrhundert, als so mancher Erstplazierte eine Fahne mit der Initiale des Königs oder eines anderen höheren Repräsentanten aus dem Königshaus überreicht bekam. Auch auf den Oktoberfest-Landesschießen ist es stets Brauch gewesen, dass die Erstplazierten kunstvoll gemalte Fahnen erhielten.

Der Ausdruck Wachler kommt aus dem bayerisch- österreichischen Sprachgebrauch, hier bedeutet wacheln soviel wie wedeln oder winken. Auch wird der der Linienrichter mit der Fahne beim Fußball in Österreich umgangssprachlich Out-Wachler genannt.

Bei den Offenen Bayerischen Meisterschaften für Traditionswaffen gibt es stets sehr viele Wachler zu gewinnen!

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© Brigitte G. Hölscher / 2009

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