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Teilermessmaschinen
 

Von Brigitte G. Hölscher

 

Außerhalb Bayerns und Österreichs und auch in der Schweiz sind Teilermessmaschinen heute nahezu unbekannt, denn die lange Tradition des sogenannten Blattl-Schießens hat sich nur dort erhalten. Während es in den meisten anderen Regionen und Ländern im Wettkampf heute hauptsächlich um Ringe oder die Anzahl der Best-Treffer geht, wird von jeher in Bayern nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität der Best-Treffer geschossen. Denn hier war man stets der Meinung, dass alle Schützen – gute wie schlechte – die Möglichkeit haben sollten, auch mit einem guten (Zufalls-)Blattl einen schönen Preis zu erringen. Ansonsten wurden später Teilermessmaschinen dazu verwendet, um bei Wettbewerben mit Ringwertung bei gleicher Ringanzahl den Schützen mit dem besseren Blattl in der Reihung nach vorne zu setzen.

Teilermessmaschinen sind feinmechanische Geräte, mit denen die Entfernung des Schusslochs auf der Scheibe oder auf dem Blattl zum exakten Mittelpunkt gemessen werden kann. Diese Entfernung wird "Teiler" genannt, während der Teiler aber keine exakte Maßeinheit ist. Teilweise wurde damals die Qualität des Blattls in „Grad“ angegeben, wenn es mit einer bestimmten Teilermessmaschine ausgewertet wurde. Heutzutage geht man davon aus, dass ein 100-Teiler = 1mm entspricht. Dies war nicht immer so, was sich aus manchen alten Werbeanzeigen oder Fachberichten über das Blattl-Schießen und der Auswertung ersehen lässt. In einer Werbeanzeige für eine Teilermessmaschine vor 100 Jahren wurde beispielsweise angegeben, dass 1mm einem 40-50 Teiler entspricht.

Die prinzipielle Funktion einer Teilermessmaschine ist hier im Artikel Ringe • Blattl • Teiler erläutert.
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Diese Teilermess- maschinen haben keinen konkreten Namen. 
In der Literatur oder der damaligen Reklame werden die unterschiedlichsten Begriffe angegeben:
  • Teilermessmaschine
  • Teilermaschine
  • Punktmessmaschine
  • Schussmessapparat
  • Kreisteilmaschine
  • Auswertemaschine
  • Zirkelgerät / Zirkelapparat
  • Blattl-Messgerät
  • Tiefschuss-Auswerter
  • u.v.a.m.

Das Auszirkeln der Blattl- Treffer war stets eine honorige Tätigkeit für erfahrene Schützen.

Abbildung: Schützenscheibe Schwabach 1860 – Auswertung einer Scheibe mit Zirkelapparat
(unten Detailansicht)

Liest man die Leserzuschriften und Artikel in alten Schützenzeitungen um die 1900er-Jahrhundertwende, wurden die unterschiedlichen Meßmethoden der verwendeten Teilermessmaschinen als störend empfunden. Denn ein 130-Teiler, der auf einem Schießstand errungen wurde, war meist kaum gleichzusetzen mit einem 130-Teiler auf einer anderen Veranstaltung, bei der eine andere Teilermessmaschine verwendet wurde.

So wie wir auch heute noch auf einer Schießveranstaltung sagen, dass es bei der Auswertung immer auf die verwendete (elektronische) Maschine ankommt, so ist es stets die Hauptsache, dass alle Zentrumstreffer auf einer Veranstaltung mit der gleichen Maschine ausgezirkelt werden, damit keine Abweichungen entstehen. 

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In manchen Deutschen Schützen- vereinen wurde früher gelegentlich nur für das jährliche Königsschießen auf Blattl geschossen. Ob hierzu jeweils eine Teilermessmaschine zur Auswertung zur Verfügung stand, kann nicht eindeutig beurteilt werden.

Aber auch auf den Deutschen Bundesschießen wurden die Stand-Festscheiben (Distanz 175 Meter) über die Qualität des „Theilers“ ausgewertet, wie die nebenstehende Schieß-Ordnung aus dem Jahre 1875 zeigt. Da jedoch die Teilnehmer des Schießens aus weit entfernten Regionen oder anderen Ländern kamen, wurde in der Schieß-Ordnung kurz erläutert, dass die Güte des Treffers durch eine Maschine nach dem Abstand vom Mittelpunkt aus gemessen wird.

Auch in Norddeutschland gibt es bei Durchsicht alter Schießprogramme die eindeutigen Hinweise, dass auch dort ebenfalls auf Blattl bzw. Fleck geschossen wurde, wie die Schießordnung des Bundes-Schützenfestes in Rostock von 1882 zeigt. Hier befanden sich abnehmbare Pappdeckel auf den Scheiben, die mit einer kleinen Drahtseilbahn vom Scheibenwall zur Schießhalle transportiert wurden.

Selbst noch im Jahre 1932 wurde beim Norddeutschen Bundesschießen in Güstrow auf der sogenannten Silberscheibe nach Teiler ausgewertet. 

Schon seit vielen Jahren werden heutzutage die Zimmerstutzenscheiben meist nur noch elektronisch ausgewertet, so dass das Aufkleben, Ablösen und Auswerten von Papp-Blattln entfällt. Dies erleichtert natürlich die Arbeit des Veranstalters oder Vereins, doch gerät die gesamte Tradition dabei vollkommen in Vergessenheit. Die in den Bayerischen Vereinen einst tausendfach vorhandenen Teilermessmaschinen sind leider größtenteils verräumt, verschwunden oder entsorgt.

Bei heutigen Feuerstutzen-Schießen werden noch oft aufgeklebte Papp-Blattl verwendet, die mit einer althergebrachten Teilermessmaschine ausgewertet werden, genauso wie es schon im 19. Jahrhundert gemacht wurde. Dies macht zwar mehr Arbeit, hat aber so seine historischen Wurzeln und passt perfekt zum Traditionsschießen. Es gehört einige Übung dazu, die Papp-Blattl exakt auszuzirkeln ohne dass diese dabei Schaden nehmen. Aber es ist noch immer eine schöne Sache, wenn dem Gewinner bei der Preisverteilung sein Sieg-Blattl überreicht werden kann.

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Nach dem Zweiten Weltkrieg sind auch in Bayern die Teilermessmaschinen langsam verschwunden, zumindest wurden kaum neue Fabrikate hergestellt. Denn für das in den 1950er Jahren populäre Luftgewehr-Schießen konnten die vom Zimmerstutzen-Schießen vorhandenen Teilermessmaschinen verwendet werden. Für das Kleinkaliber-Schießen waren die in den Feuerschützen-Gesellschaften verfügbaren Geräte bestens geeignet oder es wurde nur noch auf „Ringe“ geschossen. Da die Teilermessmaschinen seit Ende des 19. Jahrhunderts zu Tausenden hergestellt und an die Vereine verkauft wurden, waren entsprechend viele Geräte vorhanden. Die nahezu unverwüstliche Mechanik hat auch schwere Zeiten überlebt, zudem wurden die Geräte damals seitens der Vereine wie ein Augapfel gehütet. 

Von den vielen damals vorhandenen Marken und Herstellern haben nur wenige die Kriegszeiten überlebt, bzw. waren diese feinmechanischen Geräte meist nur ein weiteres Standbein eines Unternehmens oder Uhrmachers. Nachdem die Nachfrage schon in den 1930er Jahren stark zurück ging, und die Kapazitäten in den Unternehmen anderweitig gebraucht wurden,  können für die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderem nur die folgenden Hersteller genannt werden: WAKRA (von Waffen Krausser München) oder auch Sirius und Feichtmeier (Geiselhöring).

Als die ersten elektronischen Möglichkeiten der Auswertung geboten wurden und auch mehr und mehr Computer oder elektronische Scheiben den Einzug in die Vereine fanden, sind jüngeren Schützen oder Schützen außerhalb Bayerns diese mechanischen Teilermessmaschinen nahezu unbekannt. Deswegen wollen wir hier einiges berichten, was die alten Fabrikate und die Geschichte des Auswertens anbetrifft. Denn dies ist ein interessantes Fachgebiet, welches inzwischen nahezu in Vergessenheit geraten ist!
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© Brigitte G. Hölscher / April - 2011

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